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Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung

Heft Nr. 4 / Oktober 2011
 
Martin Kühn

Wie sicher ist der „Sichere Ort“?
- Einrichtungen der stationären Jugendhilfe als sichere Entwicklungsräume für traumatisierte Mädchen und Jungen


Dieser Artikel stellt das wirksame traumpädagogische Konzept einer Pädagogik des Sicheren Ortes am Beispiel der stationären Kinder- und Jugendhilfe dar.
Zunächst werden die Geschichte der Traumpädagogik und die aktuelle Situation in der Kinder- und Jugendhilfe beschrieben.
Danach folgt die Vorstellung der beiden konzeptionellen Schwerpunkte:
Die pädagogische Triade und der geschützte Dialog.
Neben Hinweisen zur traumpädagogischen Umsetzung in der Praxis werden zudem Belastungsfaktoren für pädagogische Fachkräfte in der Arbeit mit traumatisch belasteten Kindern und Jugendlichen erörtert. Abschließend wird auf die Notwendigkeit interdisziplinärer Vernetzung und Kooperation in der psychosozialen Versorgung von Mädchen und Jungen verwiesen, die für eine effiziente Traumabearbeitung grundlegend ist




Ilke Crone

Wenn Kinder selbst Profis (über)fordern ...
Neue Autorität und gewaltloser Widerstand in der Heimerziehung


Seit 2002 arbeiten vor allem systemische FamilientherapeutInen, SupervisorInnnen und andere Professionelle an der Frage der Übertragbarkeit des Modells der neuen Autorität, des gewaltlosen Widerstandes in der Erziehung und der elterlichen Präsenz auf andere Erziehungssysteme. Der Artikel beschreibt zunächst einige grundlegende Annahmen, Haltungen und Interventionen des Modells. Ein Fallbeispiel einer 16-jährigen Jugendlichen verdeutlicht die Wirksamkeit in einer Jugendhilfeeinrichtung in Bremen.
Einige Hypothesen zu Gelingesbedingungen bilden den Abschluss.




Katharina Loerbroks

Ihr habt uns unsere Würde genommen
- Heinmerziehung in den 50er und 60er Jahren


Heimkinder in den 50er und 60er Jahren waren starken psychischen und sozialen Belastungen ausgesetzt. Viele von ihnen leiden noch heute an den Folgen ihrer frühen Erfahrungen von Demütigungen, psychischer, physischer und sexueller Gewalt.
Der Beitrag zeigt auf, wie wichtig es ist, ehemalige Heimkinder heute - viele Jahre später - mit Respekt und Würde zu begegnen, eine entsprechende hohe Sensibilität zu entwickeln, um zu verhindern, dass ihnen abermals Unrecht in Form von Abwertung und Nichterst-genommen-Werden geschieht. Beraterinnen und Therapeuten müssen Berichte schlimmster Erfahrungen aushalten und die Über-Lebensmuster anerkennen und würdigen.




Renate Jegodtka

Trauma als prozesshaftes Geschehen - Ehemaliger Heimkinder in der systemischen Therapie

Dieser Artikel stellt ein Konzept vor, das im „Zentrum für systemische Beratung und Therapie, Weyhe“ Grundlage für die beratende und therapeutische Arbeit mit Betroffenen von Gewalt ist. Zentral ist dabei ein systemisches Grundverständnis, das
traumatisierte Menschen in ihrem sozialen Kontext sieht;
Traumatisierungen, welche in psychosozialen Zusammenhängen entstehen, als Prozess versteht;
von einer salutogenetischen Orientierung ausgehend, einerseits anerkennt, was geschehen ist und darüber hinaus den Blick auf gesundheitsfördernde Bedinungen und Bewältigungsstrategien lenkt.
Die Situation ehemaliger Heimkinder wird auf dem Hintergrund dieses Grundverständnisses reflektiert.




Jochen-Wolf Strauß

Über das Drachentöten - die Welt entdecken
zwischen Neugierde, Wegschauen und Pathologie


Kindheit und Jugend werden in den Hilfen zur Erziehung ihrer natürlichen Entwicklung beraubt und tendenziell pathologisiert. Dies hat in Deutschland auch historische Gründe: Preußisch-nationalsozialistische Menschenbilder und Haltungen, die durch die Kontinuität des Betreuungspersonals und der Hochschullehrer nach 1945 gegeben waren, sind durch die Deutungshoheit der Kinder- und Jugendpsychiatrie abgelöst worden, die aber ihrerseits - um den Diskussionen über die Beteiligung der Psychiatrie zu entgehen, an „Vorkriegstraditionen“ angeknüpft.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma könnte die Betrachtungsweise der Kinder und Jugendlichen in den „Hilfen zur Erziehung“ als „traumatisiert“ im Sinne der Defination Bessel van der Kolks (2009) der „Entwicklungs-Trauma-Störung“ bieten: Da alle dieser Kinder als hoch belastet gelten können, variiert lediglich der Grad der Belastung. Der jeweilige „Symptomdruck“ kann dann als symbolhafte Kommunikation des Namenlosen verstanden werden. Für die Betreuungsperson würde hier „Erziehung“ zum Abenteuer der „Begegnung“ werden, einer Begegnung mit sich und dem Anderen.






 
   
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